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Besuch bei einem Square-Dance-Club

In Franken blüht fast im Verborgenen eine kleine aber recht aktive Square-Dance-Szene.

Wer ganz allgemein am Tanzen Interesse hat, noch das Richtige für sich selber oder einfach nette Gesellschaft sucht, der muss einfach mal hingehen zu irgend einem Club ganz in der Nähe.

Das ist vollig unverbindlich, natürlich auch bei den Dancing Trouts in Forchheim. Let's do it:

Der wöchentliche Tanzabend wird im Nebenraum einer Sportgaststätte abgehalten. Der Saal ist hell ausgeleuchtet und eigentlich etwas zu groß für die um 19:30 Uhr anwesenden rund 25 Mitglieder und Gäste von anderen Clubs.

In der Mehrzahl sind die Aktiven zwischen 30 und 50 Jahre alt. Die Frauen tragen vorwiegend farbenfrohe Röcke über einem Petticoat, ein paar sind in normaler Kleidung erschienen. Die Herren bevorzugen offenbar einfarbige oder karierte Hemden in mehr oder weniger ausgeprägtem Westernlook. Auf den Tischen stehen alkoholfreie Getränke, nebenan in der Gaststätte ist ein Bereich für die Raucher reserviert. Denn das Rauchen wird im Tanzsaal nicht gern gesehen.

Die Tänzer formieren sich auf der Tanzfläche in Gruppen zu je 4 Paaren. Ein Mann steht auf einem Podest vor dem Mischpult und einem tragbaren Computer. Gleich wird er "Sex Bomb" von Tom Jones anstimmen. Wir bemerken, dass der Sänger sich nicht stur an den bekannten Text hält sondern ihn immer wieder durch unverständliche Passagen ersetzt.

Scheinbar verwirrt das auch die Tänzer bisweilen, denn es kommt vor, dass eine Gruppe mitten im Tanz plötzlich abbricht, sich neu aufstellt und nach kurzer Unterbrechung wie auf ein geheimes Signal hin weitermacht.

Ein Durchgang dauert ca. 15 Minuten, dann folgt eine kleine Pause.

Trotz etwas kühler Zimmertemperatur geht es in den Tanzpausen recht ausgelassen zu. Man unterhält sich rege und es wird viel gelacht. Einige Tänzer wischen sich immer wieder den Schweiß von der Stirn, kein Wunder also, dass hier nicht wärmer geheizt ist.

Wir mußten uns beim Eintritt nicht lang vorstellen. Dass wir nur mal zuschauen wollen ist kein Problem. Man hatte uns gebeten Platz zu nehmen und ruhig zu fragen, wenn wir Näheres wissen wollen.

Dieses Angebot werden wir gleich gerne annehmen...

Vorher aber noch kurz ins Lexikon geschaut:

Square Dance

ist ein Volkstanz der in den USA entstanden ist. Die Ursprünge liegen jedoch in Europa, insbesondere in Frankreich und in Großbritannien. Denn viele Bewegungen des Square Dance basieren auf den traditionellen Tänzen der europäische Einwanderer wie Morris Dance, English Country Dance und Quadrille.

Um vorhandene Sprach- und Kulturunterschiede schnell zu überwinden und gemeinsames Tanzen zu ermöglichen, hatte ein Ansager die Aufgabe, zur Musik die mitgebrachten Figuren der jeweiligen Tänze geschickt zu kombinieren. Aus der Not heraus entstand eine Art von "Tanzen auf Zuruf".

In Deutschland wurde Square Dance durch die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt.

Fragen wir also mal die Tänzer selber

  • Square Dance, wie kommt man denn zu sowas?

    Tänzer: Ich muss da etwas weiter ausholen: meine Lebensgefährtin und ich saßen zusammen mit einem befreundeten Ehepaar im Biergarten. Das Gespräch kam auf's Tanzen und die Frauen stimmten das alte Lied an von "schön wär's mal wieder Tanzen zu gehn, aber die Männer weigern sich ja ..."

    Den Vorwurf wollten wir jetzt nicht einfach stehen lassen. "Es ist halt so" sagte ich nach 3 Bieren, "die einzige Art von Tanz, die sich für echte Kerle wie uns geziemt, wäre der Old American Square Dance".

    Aus diversen Westernfilmen wusste ich natürlich, dass dabei die Frauen zwar zur Hillbilly-Musik von bärtigen Kauzen irgendwelche Tanzfiguren vollführen müssen, wir Männer aber - im Kreis um sie herumstehend und die Hände lässig im Hosenlatz vergraben - bloß mit den Füßen den Takt dazu stampfen!

    Mit der Art Tanzvergnügen hatten unsere Damen bestimmt nichts im Sinn! Außerdem, wer sollte bei uns in Deutschland Square Dance praktizieren?

    Einige Wochen später hat mich meine Frau informiert, dass ich nun bei der Volkshochschule zum Square-Dance-Kurs angemeldet bin!

    ___________________________________________________________________________________________________

    Tänzerin: Bei mir war es so: ich wollte mich ja eigentlich bei der VHS für einen Bauchtanz-Kurs einschreiben. Aber der war schon voll.

    Die nette Dame von der Anmeldung empfahl mir Square Dance, weil man da auch keinen Tanzpartner mitbringen muss und angeblich genauso ins Schwitzen kommt.

  • Und wie geht Square Dance nun wirklich?

    Caller: Man zeichnet mit einem Indianerpfeil ein Rechteck (Square) in den Wüstenstaub. Vier Cowboys stellen sich zusammen mit ihrer Lady auf je eine Seite dieses Rechtecks. Drei greise Musiker (Banjo, Fiedel und Waschbrett) stimmen eine schräge amerikanische Volksweise an und ein Sänger (Caller) gibt dazu einen jodlerartigen Song zum Besten. Zwischen den einzelnen Versen des Liedes ruft er den Tanzpaaren lustige Anweisungen zu, die diese dann ohne zu murren als Lauf- Dreh oder Schleuderfigur umgehend ausführen.

    So entsteht ein fließender Bewegungsablauf der an Tanzen erinnert.

    Sollte bei einem Paar die Konzentration mal nachlassen, zieht der Caller seinen Revolver und schießt knapp neben die Füße der Betreffenden, um ihnen so wieder Beine zu machen. Mittelschwere Sportverletzungen sind beim Square Dance leider nicht selten...

  • Wie hat sich Square Dance weiterentwickelt?

    Tänzer: Heute kann sich kein Mensch mehr jede Woche echte Musikanten leisten. Daher kommt die Musik in der Regel vom Band bzw. Laptop. Meistens wird in Hallen getanzt und darauf verzichtet, den Boden durch Markierungen mit spitzigen Gegenständen zu beschädigen.

    Die Caller sind unterdessen unbewaffnet und in der Regel recht freundliche Zeitgenossen.

    Und weil viele Tänzer es so wünschen und die Caller jetzt meistens auch nicht aus den dunkelen Wäldern der Rocky Mountains kommen, wird immer häufiger, neben der typischen Countrymusic, auch moderne Popmusik gespielt. Es gibt sogar Caller, die setzen sich bisweilen ein Headset auf und tanzen zu Disco- und Techno-Sound selber mit.

  • Warum tragen die Frauen diese absonderlichen Röcke?

    Tänzerin: Square Dance ist ein sehr kostspieliger Sport, ähnlich wie Polo oder Hochsee-Segeln. Besuche bei anderen Clubs, die Reisen zu Tanzveranstaltungen, die fast jedes Wochenende irgendwo stattfinden, das geht natürlich schwer ins Geld!

    Bei den hohen Benzinpreisen muss man dann anderswo kürzer treten.

    Die Frauen tun das halt oft, indem sie sich aus der Klamottenkiste von Oma Selig bedienen. Und für die Männer herrscht während der Tanzveranstaltungen striktes Alkoholverbot. Das fördert nicht nur die notwendige Aufmerksamkeit sondern da steckt natürlich auch ein riesiges Sparpotential drin!

    Ansonsten soll beim Square Dance gepflegte Kleidung getragen werden, Frauen Röcke oder Kleider, Männer unbedingt langärmelige Hemden und möglichst dunkle Hose (natürlich auch lang). Petticoat ist nicht vorgeschrieben.

  • Warum schaut es für Zuschauer manchmal wie schlecht eingeübt aus?

    Caller: Kann sein... Aber ehrlich gesagt, eigentlich wird überhaupt nicht geübt! Die Tänzer wissen nie, was sie als nächstes machen. Manche übrigens auch nicht, was sie gerade tun.

    Der Reiz besteht darin, dass der Caller versucht, die Tänzer immer neu zu überraschen. Es gibt keine feste Choreographie. Die Tänzer wissen auch bei öffentlichen Auftritten vorher nicht, welche Figur als nächstes angesagt wird. Daher müssen sich alle permanent konzentrieren.

  • Ist Square Dance denn sehr schwer zu lernen?

    Tänzer: Allerdings! Die Ausbildung zum Tänzer wird oft verglichen mit dem Überlebenstraining von Spezialkampftruppen. Das ist auch bitter notwendig, obwohl Square Dance eine eher pazifistische Freizeitbeschäftigung ist. Wenn man aber sieht, wie brutal es oft schon beim Paartanz zwischen den Partnern zugeht, dann kann man sich in etwa eine Vorstellung davon machen, was passiert wenn gleich acht Tänzer auf einmal miteinander zugange sind.

    Im Ernst: man muss ca. 70 einzelne Figuren lernen. Dafür hat der "Student" dann 30 bis 35 Übungsabende. Jeder hat in dieser Zeit seine absoluten Durchhänger, aber man lernt es dann doch. Einigermaßen flüssig geht's aber meistens erst nach einem weiteren halben Jahr des Mittanzens.

  • Muss man gut Englisch sprechen?

    Tänzerin: Nein, unser Caller hat auch nie Englisch gelernt. Und für Tänzer reichen etwa 20 - 30 einfache englische Worte wie "left" und "right", die man notfalls so nebenbei mitkriegt.

  • Und für wen ist der Square Dance nun besonders empfehlenswert?

    Caller: Wie bei fast allen Tanzsportarten sind die Damen knapp in der Mehrzahl. Daher bringen resolute Frauen sowie die etwas schüchternen Boys, die sich gern auch mal auffordern lassen, die besten Voraussetzungen mit, um häufig zum Tanzen zu kommen. Bei uns ist nämlich immer "Damenwahl" erlaubt.

    Aber das Lebensalter, Äußerlichkeiten oder die Weltanschauung spielen überhaupt keine Rolle.

    Square Dance ist besonders für Menschen zu empfehlen, die gern in Gesellschaft sind, sich bewegen und Spaß dabei haben wollen.

    Wer sich vielleicht bisher für einen untalentierten Tänzer gehalten hat, der sollte es unbedingt noch mal mit Square Dance versuchen.

    "Ein Fremder ist ein Freund, den du noch nicht kennst" lautet das Motto in jedem Club!

  • Wo kann man Square Dance lernen?

    President: Einfach mal bei den Dancing Trouts (oder einem anderen nahegelegenen Club), z. B. am Clubabend vorbekommen und fragen. Wenn sich genügend Interessierte finden, dann richten wir das so bald wie möglich ein.


Square Dance

wird von einem Caller geleitet. Ein Square besteht aus vier Paaren, die sich als Anfangsposition in Form eines Quadrats (square) aufstellen. Der Caller fügt eine Reihe von verschiedenen Figuren aneinander (choreography), die von den Tänzern im Square ausgeführt werden. Die Anzahl der Squares, die gleichzeitig zu einem Caller tanzen, ist nicht beschränkt und jeder Square tanzt unabhängig von den anderen. Der Square bildet für die Dauer eines Tips ein "Tanz-Team". Ein Tip besteht aus einer Gruppe von Tänzen und wird durch eine Pause vom nächsten Tip getrennt, in der die Tänzer neue Squares bilden.

Es gibt sieben verschiedene Tanzprogramme (Levels), die aufeinander aufbauen. Jedes Tanzprogramm umfasst dabei vollständig die vorherigen Programme und enthält dazu neue Figuren und Formationen, die in den fortgeschrittenen Tanzprogrammen einen beachtlichen Schwierigkeitsgrad haben. Die Programme werden von Callerlab, einer internationale Vereinigung von Square Dance Callern in den USA, verwaltet und gelegentlich angepasst. Bei Tanzveranstaltungen (Specials, Jamborees usw.) wird das angebotene Programm in der Regel vorher festgelegt und entsprechend angekündigt. Die Tänzer können sicher sein, dass das angebotene Tanzprogramm auf der ganzen Welt die gleichen Figuren umfasst.

Die notwendigen Figuren und Schritte können von nahezu jedermann erlernt werden. Dazu veranstalten die Clubs einen ca. halbjährigen Kurs (class), der meist im Herbst beginnt und im Frühjahr mit einer Abschlußfeier (gratuation) endet. (Text frei aus Wikipedia "Western Square Dance" vom 16.01.06)

Square Dance ist Mannschaftssport ohne Gegner und Wettkampf

Wer mehr über die Geschichte erfahren möchte, dem sei die Seite der EAASDC zur Historie empfohlen:

Geschichte und Erbe des Modernen American Square Dance